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Fifty Shades of Green – Ein kleiner Exkurs ins Farbmanagement


Der Designprozess ist abgeschlossen, der Kunde hat eine wunderbares Corporate Design in auffallenden Neonfarben vorliegen und die Produktion der Werbemittel kann beginnen, um den neuen Markenauftritt über eine ganze Bandbreite an Medien zu streuen. Einfach alles wird gebraucht: Shirts, Flyer, Social Media Kampagnen, Tassen, Online-Banner, Webseite etc. Doch schon beim ersten Testausdruck mit dem bürointernen Drucker, stellt der Kunde enttäuscht fest, dass sich sein intensives Neongrün in ein fades Moosgrün verwandelt hat. Wie kann das sein, ein Fehler im Druckertreiber? Auch die im normalen Offset-Druck bestellten Flyer erreichen nicht das gewünschte Ergebnis. Alles Amateure?

Was hier wie ein kleiner Anwenderfehler scheint, ist nur die Spitze eines tiefgreifenden Problems, mit dem sich Wissenschaftler seit Jahrzehnten auseinandersetzen: Wie kann ich auf möglichst allen Medien erreichen, dass eine Farbe immer gleich erscheint? Jedes Ein- und Ausgabegerät, dass in der Lage ist, Farben darzustellen (Monitor, Drucker) oder einzulesen (Kamera, Scanner), hat nämlich das gleiche Problem: Wie kann es objektiv entscheiden, dass z.B. ein bestimmter Grünton auch wirklich der Grünton ist, denn man auch sehen möchte? Farben sind nämlich immer eine Mischung aus vielen verschiedenen Lichtwellen und unterliegen somit stets sensiblen Schwankungen. Das fängt schon damit an, wenn man das gleiche Bild auf zwei Monitoren unterschiedlicher Hersteller anzeigt. Tages- und Nachtmodus, Gelbstich, Rotstich, unterschiedliche Bürobeleuchtung, Tageslicht? Alles wirkt im Zusammenspiel mit dem ursprünglichen Bild. Wenn man es genau nimmt, dann hat sogar die Stimmung des Betrachters einen messbaren Einfluss auf die Interpretation der Farben in einem Bild.

Es scheint beunruhigend für alle Perfektionisten da draußen, aber die Welt ist ein einziges Chaos aus Farben und Lichtstimmungen. Wie meistere ich die Situation also und sorge dafür, dass ich auch wirklich das tolle Grün bekomme, was der Designer ursprünglich für meine Marke vorgesehen hat?

Farbmanagement ist hier der Schlüsselbegriff, der die gesamte Thematik unter sich vereint und bezeichnet die kontrollierte Umwandlung und Standardisierung von den Farbdarstellungen verschiedener Medien, wie Bildscannern, Digitalkameras, Monitoren, Fernsehbildschirmen, Druckern, Offsetdruckmaschinen und anderer Medien.

Das Ziel des Farbmanagements besteht darin, eine optimale Übereinstimmung zwischen den verschiedenen Farbgeräten zu erzielen. So sollten beispielsweise die Farben eines Videobildes auf einem Computer-LCD-Monitor, auf einem Plasma-Fernsehbildschirm und auf einem gedruckten Poster gleich aussehen. Dies setzt voraus, dass die Geräte in der Lage sind, die erforderlichen Farbintensitäten zu liefern. Das Farbmanagement kann keine identische Farbwiedergabe garantieren, aber es kann zumindest eine bessere Kontrolle über eventuell auftretende Veränderungen ermöglichen. Warum dies so ist, zeigt im Grunde schon einfaches Basiswissen aus der Farblehre. In der Farbdarstellung unterscheidet man grundsätzlich zwischen zwei verschiedenen Farbmischungsmodellen.

Additive Farbmischung

Additive Farbmischungen erhält man, wenn man Scheinwerfer in einem dunklen Raum übereinander legt. Die üblicherweise verwendeten additiven Primärfarben sind Rot, Grün und Blau. Wenn alle drei Farben in gleicher Intensität übereinander gelegt werden, erhält man weißes Licht. Die additive Farbmischung ist konzeptionell einfacher als die subtraktive Farbmischung mit Farben und Pigmenten, da nur Lichtenergie in verschiedenen Bereichen des sichtbaren Spektrums zum Mischen verwendet werden müssen. Das additive Farbmodell kommt immer zum Einsatz, wenn Farben durch Licht erzeugt werden. Der Computermonitor und die meisten Displays funktionieren z.B. auf diese Weise.

Subtraktive Farbmischung

Eine subtraktive Farbmischung erhält man, wenn man farbige Filter mit weißem Licht von hinten beleuchtet. Die gebräuchlichen subtraktiven Primärfarben sind Cyan, Magenta und Gelb. Wenn man alle drei Farben in gleicher Mischung übereinanderlegt, wird das gesamte Licht abgezogen, so dass Schwarz entsteht. Die subtraktive Farbmischung ist komplexer als die additive Farbmischung. Das Subtraktive Farbmodell kommt bei allen Printmedien zum Einsatz und ist z.B. auch die Grundlage der Farbmischung für Maler. Es ist noch wichtig zu erwähnen, dass Farbmischungen mit höherer Intensität als die Urspunrgsfarben nicht erreicht werden können. Eine Farbe kann nur durch Zugabe von weiß heller werden und durch Zugabe der Komplementärfarbe abgeschwächt. Ein normaler Standarddrucker kann deshalb z.B. kein Neongrün drucken, wenn die Ursprungsfarben die Leuchtkraft der gewünschten Endfarbe schon nicht erreichen.

Den Bereich aller mit einem Medium darstellbaren Farben, nennt man Farbraum. Jedes Medium, also jeder Monitor, Drucker, Scanner und jede Kamera besitzt dabei einen eigenen Farbraum, der sich aus allem von ihm darstellbaren Farben zusammensetzt. Grundlegend kann man deshalb drei verschiedene Basis-Farbräume ableiten, die das Problem perfekt beschreiben.

LAB

Der Farbraum aller wahrnehmbarer Farben wird als LAB-Farbraum bezeichnet und ist einer der beliebtesten Farbräume zur Messung von Objektfarben. Er wurde 1976 von der CIE (Internationale Beleuchtungskommission beziehungsweise Commission Internationale de l'Éclairage, ja die gibt es wirklich!) für Farbkommunikation definiert und wird heute in vielen Branchen für die Farbkontrolle und das Farbmanagement verwendet. Im LAB-Farbraum steht L für die Helligkeit und a und b sind die Farbkoordinaten. a und b sind die Farbrichtungen: +a ist die rote Achse, -a ist die grüne Achse, +b ist die gelbe Achse und -b ist die blaue Achse. Der Bereich um die Mitte stellt die unbunten Farben dar. Nach außen hin nimmt die Farbsättigung zu.

RGB

Der RGB-Farbraum ist ein additiver Farbraum, der auf dem RGB-Farbmodell basiert. Ein RGB-Farbraum ist definiert durch die Farbkoordinaten der additiven Primärfarben Rot, Grün und Blau, dem Weißpunkt, der in der Regel eine Standardlichtart ist und der Übertragungsfunktion, die auch als Tonwertkurve (TRC) oder Gamma bezeichnet wird. Er beinhaltet alle durch Licht darstellbaren Farben und kann je nach Gerät und Dateityp leicht variieren.

CMYK

Der CMYK Farbraum (auch bekannt als Prozessfarbe oder Vierfarben) ist ein subtraktives Farbmodell, das auf dem CMY-Farbmodell basiert und im Farbdruck verwendet wird. Er wird auch zur Beschreibung des Druckprozesses selbst genutzt. Die Abkürzung CMYK bezieht sich auf die vier verwendeten Farbplatten: Cyan, Magenta, Gelb und Key (Schwarz). CMYK funktioniert durch die teilweise oder vollständige Maskierung von Farben auf einem helleren, in der Regel weißen, Hintergrund. Die Tinte reduziert das Licht, das sonst reflektiert werden würde. Ein solches Modell wird subtraktiv genannt, weil die Tinten die Farben Rot, Grün und Blau vom weißen Licht "abziehen". Weißes Licht minus Rot ergibt Cyan, weißes Licht minus Grün ergibt Magenta, weißes Licht minus Blau ergibt Gelb.

Wenn man alle Farbräume in einer Grafik gegenüberstellt, lässt sich leicht erkennen, dass man das schicke Neongrün mit einer CMYK-Farbmischung allein nicht erreichen kann. Deshalb reicht ein normaler CMYK-Druck nicht aus. Es muss eine Sonderfarbe festgelegt und separat gedruckt werden. Man nennt diese Farben auch Volltonfarben. Diese werden für den Druck extra mit Hilfe eines genormten Farbsystems festgelegt und separat auf den Untergrund aufgetragen. In der Industrie verwendet man z.B. RAL-Farben. Es kann aber auch ein anderes System z.B. HKS oder PANTONE zum Einsatz kommen.

Werfen Sie mal einen Blick in Ihren Styleguide und schauen Sie, was bei Ihrem Corporate Design zum Einsatz kommt. Sollten Ihre Farben nicht genormt sein, oder Sie sind sich nicht sicher, wie Sie mit Ihren Standards umgehen müssen, dann können Sie sich natürlich gern jeder Zeit bei uns melden.

Farbräume

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